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Sa.
06. März

SFA | Autismus-Fachtagung: Die Kunst der anderen Wahrnehmung

Samstag, 06. März 2027, 09:00 – 19:15 Termin in Kalender eintragen
Sonntag, 07. März 2027, 09:00 – 13:15 Termin in Kalender eintragen

06.03.2027, 09:00 – 19:15 Uhr (Tag 1: Vorträge) und 07.03.2027, 09:00 – 13:15 Uhr (Tag 2: Workshops)

Hybridveranstaltung: Sigmund Freud PrivatUniversität Wien, Freudplatz 1 und online über ZOOM

Die Fachtagung findet unter der wissenschaftlichen Leitung von Ass.-Prof. Dr. Brigitte Hackenberg statt.

Wissenschaftliche Fachtagung zu Autismus-Spektrum-Störungen, Diagnostik und neurodivergenz-affirmativen Therapieansätzen

Autismus-Spektrum-Störungen stellen Wissenschaft, Medizin und psychosoziale Versorgung vor zunehmend differenzierte diagnostische, therapeutische und gesellschaftliche Fragestellungen. Aktuelle Erkenntnisse aus Neurobiologie, Entwicklungspsychologie, Psychiatrie und Therapieforschung verdeutlichen, dass Autismus nicht ausschließlich als klinische Störung verstanden werden kann, sondern zugleich Ausdruck einer besonderen Form der Wahrnehmung, Informationsverarbeitung und Interaktion mit der Umwelt ist.

Die interdisziplinäre Fachtagung „Autismuswelt – Die Kunst der anderen Wahrnehmung“ widmet sich den vielfältigen Dimensionen des Autismus-Spektrums und verbindet aktuelle wissenschaftliche Forschung mit praxisorientierten therapeutischen und diagnostischen Zugängen. Im Zentrum stehen moderne Erkenntnisse zu neurobiologischen Grundlagen, sensorischer Verarbeitung, sozialer Kognition, emotionaler Regulation sowie entwicklungsbezogenen und psychosozialen Aspekten über die gesamte Lebensspanne hinweg.

Renommierte Expert*innen aus den Bereichen Kinder- und Jugendpsychiatrie, Erwachsenenpsychiatrie, Neurologie, Neuropädiatrie, Psychotherapie, Psychologie, Ergotherapie und Diagnostik präsentieren aktuelle Forschungsergebnisse sowie evidenzbasierte klinische und therapeutische Ansätze. Thematisiert werden unter anderem Früherkennung und Diagnostik im Vorschulalter, Komorbiditäten im Kindes- und Jugendalter, Camouflaging und Spätdiagnosen im Erwachsenenalter, neurodivergenz-affirmative Psychotherapie, sensorische Besonderheiten, Ernährung und Mangelversorgung bei autistischen Kindern sowie Fragen geschlechtlicher und sexueller Vielfalt im Kontext von Autismus.

Besonderes Augenmerk gilt dabei einem ressourcenorientierten und menschenwürdigen Verständnis neurodivergenter Lebensrealitäten. Die Tagung versteht Autismus nicht ausschließlich unter defizitorientierten Gesichtspunkten, sondern als individuelle Form menschlicher Wahrnehmung und Erfahrung, die differenzierte diagnostische Sensibilität und interprofessionelle Zusammenarbeit erfordert.

Der zweite Veranstaltungstag ist praxisorientierten Workshops gewidmet. Die Teilnehmenden erhalten die Möglichkeit, konkrete Methoden und therapeutische Interventionen kennenzulernen und unmittelbar für die klinische und psychosoziale Praxis nutzbar zu machen. Schwerpunkte umfassen unter anderem Strukturierungs- und Regulationsmethoden, Beziehungsaufbau in der Arbeit mit autistischen Kindern, neurodivergenz-affirmative Psychotherapie, TEACCH-Ansätze, unterstützte Kommunikation sowie wahrnehmungsorientierte Zugänge im therapeutischen Setting.

Die Tagung richtet sich an Fachpersonen aus Medizin, Psychiatrie, Psychotherapie, Klinischer Psychologie, Ergotherapie, Pflege, Pädagogik, Sozialarbeit sowie an alle Berufsgruppen im Gesundheits- und Sozialwesen, die sich wissenschaftlich fundiert und praxisnah mit Autismus-Spektrum-Störungen auseinandersetzen möchten.

Mit ihrem interdisziplinären Anspruch schafft die Tagung einen Raum für wissenschaftlichen Austausch, fachliche Vernetzung und die gemeinsame Entwicklung zeitgemäßer Perspektiven im Umgang mit neurodivergenten Menschen.

Referent:innen

Ass. Prof. Dr. Brigitte Hackenberg

  • Psychiaterin
  • Kinderpsychiaterin

 

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Univ. Prof.in Priv Doz.in Dr.in Claudia Klier

  • Professorin und Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Sigmund Freud Universität

 

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Prim. Dr. Thomas Schwarzgruber

  • Ärztlicher Leiter des Sozialpsychiatrischen Ambulatoriums Penzing (SPA 14) und der Sozialpsychiatrie für Menschen mit Behinderungen und Autismuszentrum (SOMBA) der Psychosozialen Dienste in Wien

 

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Univ. Prof. Dr. Manfred Schmidbauer

  • Professur und Facharzt für Neurologie und Psychiatrie sowie für Neuropathologie

 

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Viktoria Kaczor, MSc. BA pth.

  • Klinische Psychologin und Psychotherapeutin in Fachausbildung unter Lehrsupervision (psychoanalytisch-psychodynamische Therapie/Individualpsychologie)
  • Schwerpunkt in der Diagnostik und Behandlung von Autismus-Spektrum-Störungen sowie weiteren kinder- und jugendpsychologischen Fragestellungen und Arbeit nach dem TEACCH-Ansatz

 

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Irmgrad Himmelbauer, MSc

  • Seit 1993 tätig als Kinder-Ergotherapeutin in diversen ambulanten Einrichtungen
  • Bis 2001- 2024 Lehrende an Fachhochschulen Wien, Wiener Neustadt, Krems (Ergotherapie in der Pädiatrie, Betriebswirtschaftliche Grundlagen)
  • Tätigkeit für den Berufsverband ErgotherapieAustria (Pojekt „Kassenverträge“ und Freiberuflichkeitsberatung)
  • Aktiv im Verein „Politische Kindermedizin“, Verbesserung der therapeutischen Versorgung
  • Publikation: „Kinder im Autismus-Spektrum durch Spielen fördern“ Schritt für Schritt gemeinsam wachsen und Herausforderungen meistern. Verlag TRIAS, 2026

 

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Mag. Dr. Anna Binder-Kita

  • Psychotherapeutin
  • Psychotherapiewissenschaftlerin
  • Bezirkspsychotherapievertretung Innere Stadt Wien, VÖPP
  • Leitung Curriculum Neurodivergenz, theAkademos VÖPP Akademie
  • International Vortragende zu den Themen Autismus und Neurodiversität

 

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Dr. Gerda Mehta

  • Systemische Familientherapeutin
  • Mediatorin
  • Supervisorin
  • Klin.- und Gesundheitspsychologin
  • Lehrtherapeutin seit 1996 bei ÖAS, später auch ÖAGG, nun nur in SFU
  • Leiterin der systemischen Familientherapie in der SFU seit Beginn

 

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Mag. pth. Katharina Scherfler, BA pth.

  • Seit 2017 in freier Praxis in Wien tätig. Seit 2019 als Psychotherapeutin (Psychoanalyse/psychoanalytische Psychotherapie) in der Liste der Psychotherapeut*innen eingetragen
  • Weiterbildungen im Bereich Säuglings-, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie und Bindung
  • Seit 2024 Lehranalytikerin und Supervisorin SFU/PSI
  • Weitere Informationen: www.psychotherapy-vienna.at

 

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Mag. Sara Edraki

  • Psychotherapeutin und Verhaltenstherapeutin mit langjähriger Erfahrung in der Arbeit mit Autismus-Spektrum-Störung
  • Schwerpunkte in verhaltenstherapeutischer Intervention und der Arbeit mit Angehörigen, Schulen und Kindergärten

 

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Dr. Kathrin Hippler

  • Klinische Gesundheitspsychologin in freier Praxis in Wien
  • Lehrende
  • Supervisorin
  • Buchautorin
  • Seit über 20 Jahren spezialisiert auf kleine und große Menschen im Autismus-Spektrum im Bereich der klinisch-psychologischen Diagnostik, Unterstützung, Beratung und Behandlung

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OÄ Dr. Veronika Pilshofer

  • Fachärztin für Kinder- und Jugendheilkunde
  • Spezialisierung Neuropädiatrie und Entwicklungsneurologie
  • Leitende Oberärztin der Neuropädiatrischen Ambulanz Ordensklinikum Link Barmherzige Schwestern
  • Neuropädiatrisch verantwortlich im Kinder-Rehazentrum Kokon Rohrbach/Berg
  • Wahlarztordination mit Schwerpunkt Neuropädiatrie von 2017-2025

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Teilnahmegebühren

Präsenzteilnahme

  • 380 € Regulärer Preis
  • 350 € Frühbucherpreis (bis 05.01.27)
  • 25% Rabatt für SFU Studierende und Alumni

Die Möglichkeit einer optionalen Online-Teilnahme ist im Preis inkludiert.

Onlineteilnahme

  • 230 € Regulärer Preis
  • 195 € Frühbucherpreis (bis 05.01.27)
  • 25% Rabatt für SFU Studierende und Alumni

Die Online-Übertragung (Zoom) betrifft ausschließlich Vorträge am 07.03.

Programm Samstag, 06.03.2027

Programm Samstag, 06.03.2027

09:00 – 09:15 | Begrüßung durch Prof. Dr. Brigitte Hackenberg

09:15 – 10:15 | Prof. Manfred Schmidbauer
Neurobiologische Grundlagen von Autismus-Spektrum-Störungen: Konnektivität, sensorische Verarbeitung und prädiktive Kodierung

10:15 – 11:15 | Dr. Kathrin Hippler
Früherkennung von Autismus-Spektrum-Störungen: Evidenzbasierte Screening- und Diagnostikverfahren im Vorschulalter

11:30 – 12:30 | Prof. Dr. Brigitte Hackenberg
Soziale Kognition und Kommunikation bei Autismus: Aktuelle Modelle und therapeutische Implikationen

12:30 – 13:45 | Mittagspause 

13:45 – 14:45 | Prof. Dr. Claudia Klier
Komorbiditäten bei Autismus im Kindes- und Jugendalter: Diagnostische Herausforderungen und integrierte Behandlungsansätze

14:45 – 15:45 | Prim. Dr. Thomas Schwarzgruber
Autismus im Erwachsenenalter: Spätdiagnosen, Camouflaging und psychosoziale Anpassungsprozesse

15:45 – 16:45 | Mag. Dr. Anna Binder-Kita
Vielfalt im Fokus: LGBTQIA+ Identitäten bei autistischen Menschen

17:00 – 18:00 | OÄ Dr. Veronika Pilshofer
Ernährung und Autismus: Mangelernährung bei Kindern mit Autismus

18:00 – 19:00 | Irmgard Himmelbauer, MSc
Ergotherapie bei Kindern im Autismus-Spektrum

19:00 – 19:15 | Abschluss und Tagesresümee

Programm Sonntag, 11.10.2026

Programm Sonntag, 07.03.2027 – Workshops

Die sechs Workshops werden parallel angeboten und in drei Zeitslots wiederholt. Teilnehmende wählen insgesamt drei Workshops und durchlaufen diese in den jeweiligen Zeitfenstern.

09:00 – 10:15 | Workshop A, B, C, D, E, F – Slot 1

10:30 – 11:45 | Workshop A, B, C, D, E, F – Slot 2

12:00 – 13:15 | Workshop A, B, C, D, E, F – Slot 3

Workshop-Angebote

Workshop A: Interventionen bei Autismus: Strukturierung und Regulation – Workshopleitung: Prof. Dr. Brigitte Hackenberg

Workshop B: Beziehungsaufbau in der Arbeit mit autistischen Kindern – Workshopleitung: Mag.a pth. Katharina Scherfler

Workshop C: Umgang mit Verschiedenheit – Beziehungsaufbau – Workshopleitung: Dr. Gerda Mehta

Workshop D: Neurodivergenz-affirmative Psychotherapie – Workshopleitung: Mag. Dr. Anna Binder-Kita

Workshop E: Autismus verstehen: Wahrnehmung statt Verhalten – Workshopleitung: Mag. Sara Edraki

Workshop F: TEACCH & unterstützte Kommunikation im Alltag – Workshopleitung: Viktoria Kaczor, MSc BA pth.

 

 

Abstracts Vorträge

Neurobiologische Grundlagen von Autismus-Spektrum-Störungen: Konnektivität, sensorische Verarbeitung und prädiktive Kodierung
Univ. Prof. Dr. Manfred Schmidbauer  

Das menschliche Gehirn ist ein komplexes, selbstorganisierendes System und benötigt  präzises Timing von Genexpressionen, Schaltkreisen, Inputspeicherungen und Reaktionsmustern für seine Funktion  in Variationen (Neurodiversität). ASD ist, als entwicklungsneurologisches Spektrum mit Neurodiversität, ein wertvoller wissenschaftlicher Zugang zum Verständnis von Organisation und grundlegenden Funktionsprinzipien des menschlichen Gehirns und so zur Erschließung therapeutischer Ansätze um die Lebensqualität von betroffenen Individuen zu heben.

Früherkennung von Autismus-Spektrum-Störungen: Evidenzbasierte Screening- und Diagnostikverfahren im Vorschulalter
Dr. Kathrin Hippler

Ist es wirklich Autismus? Eltern,  Elementarpädagog*innen oder Kinderärzt*innen sind heute viel stärker sensibilisiert für Anzeichen des Autismus als noch vor 10-20 Jahren. Doch welche Besonderheiten sind tatsächlich klinisch relevant?

Anhand von Fallbeispielen wird beleuchtet, welche frühen Anzeichen des Autismus sich schon bei Babys und Kleinkindern beobachten lassen und welche im Vorschulalter. Wir erkunden, inwiefern Masking und Kompensation bereits bei jungen Kindern mit dem sogenannten weiblichen Phänotyp eine Rolle spielen. Es werden aktuelle evidenzbasierte Screening- und Diagnostikverfahren, die im deutschsprachigen Raum in Verwendung sind, erörtert und deren Möglichkeiten und Grenzen aufgezeigt. Der Vortrag gibt darüber hinaus einen kurzen Einblick in die häufigsten Differenzialdiagnosen in diesem Alter. Schließlich wird die Bedeutung einer frühen Diagnostik und Intervention reflektiert.

Soziale Kognition und Kommunikation bei Autismus: Aktuelle Modelle und therapeutische Implikationen
Ass. Prof. Dr. Brigitte Hackenberg        

Komorbiditäten bei Autismus im Kindes- und Jugendalter: Diagnostische Herausforderungen und integrierte Behandlungsansätze
Univ. Prof.in Priv Doz.in Dr.in Claudia Klier

Die Komorbiditäten sind oft der Grund für eine ausführliche Diagnostik und das erstmalige Diagnostizieren der Autismus-Spektrum Störung. Genetische Grundlagen und therapeutische Strategien werden referiert.

Die häufigsten Komorbiditäten bei Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) sind ADHS (in 40-50% der Fälle), Soziale Phobie (10%), Depression, Schlafstörungen und Zwangsstörungen (35%), selten Bipolare Störungen (4%). Etwa 70% der autistischen Kinder weisen mindestens eine weitere Diagnose auf und diese sind oft die Ursache für die Abklärung und Diagnostik, wenn die Auffälligkeiten als Kind nicht diagnostiziert wurden. Auch Epilepsie, Intelligenzminderung und oppositionelles Verhalten treten häufig auf, es gibt Überlappungen der neurologischen und psychiatrischen Phänotypen.

Autismus im Erwachsenenalter: Spätdiagnosen, Camouflaging und psychosoziale Anpassungsprozesse
Prim. Dr. Thomas Schwarzgruber

Autismusspektrumstörungen werden oft übersehen und führen dann oft zu psychiatrischen Folgekrankheiten. Hochqualitative Diagnostik im Erwachsenenbereich ist schwierig, nicht zuletzt wegen des Camouflaging, aber sehr wichtig.

Autismusspektrumstörungen gehören zu den neuronalen Entwicklungsstörungen und haben eine sehr starke erbliche Komponente. Mit einer Prävalenz von 1% sind sie häufig und werden dennoch gerade im Erwachsenenbereich übersehen. Das führt häufig zu psychiatrischen Folgekrankheiten und einer schlechteren Prognose. Erwachsene Menschen mit ASS neigen dazu sich so zu verhalten als wären sie von ASS nicht betroffen. Das nennt man Camouflaging, ist für die Betroffenen sehr anstrengend und kann auch dazu führen, dass die Erkrankung übersehen werden kann. Die Therapie erfolgt vorwiegend nicht-medikamentös, wobei die Evidenz für Therapieoptionen im Erwachsenenbereich generell leider sehr gering ist.

Vielfalt im Fokus: LGBTQIA+ Identitäten bei autistischen Menschen
Mag. Dr. Anna Binde-Kita

Aktuelle Forschung zeigt eine erhöhte Prävalenz von LGBTQIA+-Identitäten unter neurodivergenten Menschen. Der Vortrag gibt einen Überblick über den aktuellen wissenschaftlichen Stand zu dieser Überschneidung und beleuchtet zentrale theoretische Konzepte sowie klinische Implikationen. Neben empirischen Befunden werden Fallbeispiele aus der psychotherapeutischen Praxis herangezogen, um die komplexen Wechselwirkungen zwischen Neurodivergenz und queerer Identität zu veranschaulichen.

Zahlreiche Studien weisen darauf hin, dass neurodivergente Personen, insbesondere im Autismusspektrum, überdurchschnittlich häufig LGBTQIA+-Identitäten berichten. Diese intersektionale Position ist mit spezifischen Entwicklungsverläufen, Herausforderungen und Ressourcen verbunden. Der Vortrag bietet einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand und integriert zentrale theoretische Ansätze wie das Minority-Stress-Modell sowie das Double-Empathy-Problem. Besonderes Augenmerk liegt auf Prozessen des Masking bzw. Camouflaging und deren Auswirkungen auf Identitätsentwicklung und psychische Gesundheit. Ergänzend werden Fallbeispiele aus der psychotherapeutischen Praxis herangezogen, um klinisch relevante Dynamiken zu veranschaulichen. Daraus werden Implikationen für eine neuroaffirmative und queersensible therapeutische Haltung abgeleitet. Ziel ist es, ein differenziertes Verständnis für die Wechselwirkungen zwischen Neurodivergenz und LGBTQIA+-Identität zu fördern und Ansatzpunkte für Forschung und Praxis aufzuzeigen.

Ernährung und Autismus: Mangelernährung bei Kindern mit Autismus
OÄ Dr. Veronika Pilshofer

Scorbut im 21. Jahrhundert? Kinder mit ASS essen oft extrem selektiv – mit Folgen, die leicht übersehen werden. Mangelernährung frühzeitig erkennen, diagnostisch einordnen u. interdisziplinär behandeln.

Kinder mit ASS u. a. sensorischen Entwicklungsstörungen zeigen häufig eine ausgeprägte Nahrungsselektivität, die oft unerkannt zu klinisch relevanten Mikronährstoffdefiziten führen kann, selbst bei normalgewichtigen Kindern. Welche Warnsignale sollte man in der Praxis nicht übersehen? Dieser Vortrag vermittelt Fallbeispiele aus der klinischen Praxis und weiterführende Strategien zur frühzeitigen Erkennung, diagnostischen Einordnung und multimodalen Intervention im interdisziplinären Team.

Ergotherapie bei Kindern im Autismus-Spektrum
Irmgard Himmelbauer, MSc

Kinder im Autismus-Spektrum beziehen uns meist nicht in ihr Spiel ein, sie spielen häufig repetitiv und haben Vorlieben für bestimmte Anordnungen. Mit gezielten Spiel-Angeboten und Arrangements können wir Körperwahrnehmung, Handfunktion, Handlungsplanung, Anpassung, Interaktion und Kooperation üben.

Spiel ist das Handlungs- und Übungsmedium für Kinder. Im Spiel werden zahlreiche Fähigkeiten geübt, verfeinert, variiert und kombiniert. Sensomotorische, kognitive, soziale und emotionale Fähigkeiten bilden die Basis für zielgerichtetes Handeln und situative und soziale Anpassung im Spielkontext. Fähigkeiten, die im Spiel geübt werden, werden auch bei Alltagroutinen benötigt. Kinder aus dem Autismus-Spektrum zeigen Eigenheiten im Spiel, sie spielen weniger variabel, weniger interaktiv und tun sich schwer, am Modell zu lernen und ihre Strategien im interaktiven Kontext anzupassen. Durch gezieltes Spielangebot können wir Schritt für Schritt diese Fähigkeiten fördern und erweitern.

Abstracts Workshops

Interventionen bei Autismus: Strukturierung und Regulation
Ass. Prof. Dr. Brigitte Hackenberg     

Beziehungsaufbau in der Arbeit mit autistischen Kindern
Mag.a pth. Katharina Scherfler

In der psychotherapeutischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist eine begleitende Elternberatung regelmäßig ein Teil des Settings. Dieser Workshop taucht in die Bausteine und die Besonderheiten der Elternberatung im Bereich Neurodivergenz/Autismus ein.

Der Workshop behandelt die Elternberatung bei begleitender Psychotherapie der Kinder/Jugendlichen oder individuelle Elternberatung im Bereich Neurodivergenz und Autismus. Der Workshop geht auf die Bausteine, die Fokuspunkte und die Interaktion im Rahmen der Elternberatung ein. Wie ist es möglich Eltern zu begleiten, sodass diese sich auf die Welt ihres Kindes einlassen wollen und wir dieses auch verstehen? Es wird auf die Beziehungsmuster der Eltern und die Eltern-Kind-Dynamik eingegangen. Zudem werden die notwendigen Fokuspunkte und Konfliktpunkte thematisiert. Auf Basis von Praxisbeispielen wird beleuchtet, welche Medien und Tools sich als unterstützend erwiesen haben.

Umgang mit Verschiedenheit – Beziehungsaufbau
Dr. Gerda Mehta

Welche Aspekte der Diagnose sind hilfreich für Betroffene, Angehörige, Experten? Welcher Zeitgeist bedingt die Zunahme der Diagnose? Wer hat welche Sehnsüchte nach Überwindung, Behandlung, etc.

Seit der Pandemie gibt es mehr diagnostizierte Kinder und Erwachsene, deren Umgangsformen viel zu wünschen übriglassen, vor allem das Dialogisieren und andere Menschen in ihrem Umfeld ernst zu nehmen, deren Grenzen und Vorlieben zu respektieren oder sogar einschätzen zu können. Wie kann die Betreuer:in Betroffenen schmackhaft machen, Interesse für andere zu verstärken, neugierig auf Sichtweisen und Unterschiedlichkeiten mit anderen zu werden?

Neurodivergenz-affirmative Psychotherapie
Mag. Dr. Anna Binder-Kita

Der Workshop gibt einen Einblick in neurodivergenz-affirmative Psychotherapie im Kontext von Autismus. Teilnehmende erhalten konkrete Impulse, wie therapeutische Prozesse an neurodivergente Erfahrungsweisen angepasst werden können.

Der Workshop führt in zentrale Grundannahmen neurodivergenz-affirmativer Psychotherapie ein und beleuchtet deren Bedeutung für die Arbeit mit autistischen Klient*innen. Ausgehend vom aktuellen Forschungsstand wird diskutiert, wie sich klassische therapeutische Konzepte im Spannungsfeld von Normierung und Diversität verorten lassen. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Verständnis autistischer Erfahrungsweisen sowie auf den Auswirkungen von Masking, sensorischer Verarbeitung und sozialer Interaktion auf den therapeutischen Prozess. Darüber hinaus wird thematisiert, wie therapeutische Settings und Haltungen angepasst werden können, um einen sicheren und ressourcenorientierten Rahmen zu schaffen. Anhand praxisnaher Beispiele werden typische Herausforderungen und Missverständnisse im therapeutischen Kontext aufgegriffen und eingeordnet. Ziel ist es, ein differenziertes Verständnis für neurodivergente Perspektiven zu fördern und konkrete Ansatzpunkte für die eigene therapeutische Praxis zu vermitteln.

Autismus verstehen: Wahrnehmung statt Verhalten
Mag. Sara Edraki

Die Teilnehmenden erhalten praxisnahe Ansätze, um Autismus besser zu verstehen und Kinder mit frühkindlichem Autismus, atypischem Autismus und Asperger-Syndrom gezielt zu begleiten. Anhand interaktiver Übungen und konkreter Fallbeispiele entwickeln sie wirksame Strategien für die Zusammenarbeit mit Eltern und den pädagogischen Alltag.

In diesem Workshop wird gezeigt, wie man Kinder und Jugendliche im Autismusspektrum gezielt beobachtet und therapeutisch interveniert. Es werden verhaltenstherapeutische Ansätze sowie der TEACCH-Ansatz praxisnah vermittelt. Der Schwerpunkt liegt auf der Förderung von Emotion, Kommunikation, kognitiven Fähigkeiten sowie motorischen und künstlerischen Elementen. Gezeigt wird, wie Kinder lernen, ihre Bedürfnisse und Wahrnehmungen auszudrücken. Dabei werden alltagsnahe Grundlagen der Therapie aufgezeigt, um die Selbstwahrnehmung und den Ausdruck der Kinder zu stärken.

TEACCH & unterstützte Kommunikation im Alltag
Viktoria Kaczor, MSc BA pth.

Der Workshop vermittelt praxisorientierte Einblicke in den TEACCH-Ansatz zur Strukturierung von Lern- und Interaktionssituationen bei Kindern im Autismus-Spektrum mit eingeschränkter funktionaler Sprache. Anhand praxisnaher Beispiele werden einfache Strategien vorgestellt, die Kommunikation unterstützen und Selbstständigkeit fördern.

Der Workshop widmet sich der Frage, wie Interventionen nach dem TEACCH-Ansatz Kommunikation im Alltag gezielt unterstützt und ermöglicht werden kann. Im Mittelpunkt stehen Kinder im Autismus-Spektrum mit wenig funktionaler Sprache, deren kommunikative Ausdrucksmöglichkeiten im Alltag oft eingeschränkt nutzbar sind. Es wird aufgezeigt, wie räumliche, zeitliche und aufgabenbezogene Strukturierung dazu beiträgt, Situationen vorhersehbarer zu machen und damit eine wichtige Grundlage für Kommunikation zu schaffen. Ein besonderer Fokus liegt darauf, wie durch visuelle Unterstützung, klare Abläufe und gezielte Anpassungen im Setting kommunikative Initiativen erleichtert werden können. Anhand konkreter Beispiele aus der therapeutischen Praxis wird vermittelt, wie Kinder im Alltag eigene Bedürfnisse, Entscheidungen und Reaktionen ausdrücken können. Dabei werden auch alltagsnahe kommunikationsunterstützende Strategien (z. B. Visualisierung, einfache Symbole, unterstützende Apps) aufgegriffen. Der Workshop verbindet kurze theoretische Inputs mit praxisnahen Anregungen und lädt zur Reflexion der eigenen Arbeit ein. Ziel ist es, den Teilnehmenden konkrete Ideen zu vermitteln, wie Strukturierung nicht nur Orientierung schafft, sondern als zentrale Grundlage für gelingende Kommunikation und mehr Selbstständigkeit genutzt werden kann.

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